Was KI-Ausgaben im Budget 2027 leisten müssen.

In vielen Betrieben läuft gerade die Planung für 2027, und der Spielraum ist oft eng:

Laut DIHK-Konjunkturumfrage vom Frühsommer 2026 wollen 34% der Unternehmen ihre Investitionen senken, nur 23% wollen sie erhöhen. Wer investiert, ersetzt vor allem Vorhandenes: 67% nennen Ersatzbedarf als Hauptmotiv, so viele wie nie zuvor. Kapazitätserweiterung nennen nur 19%, der niedrigste Wert seit Herbst 2009. Laut Creditreform planen im Herbst 2026 nur noch 37,3% der Mittelständler überhaupt Investitionen, der tiefste Stand seit 20 Jahren.

In dieser Lage kommen auch die KI-Ausgaben auf den Tisch: die Lizenzen, der Pilot aus dem Frühjahr, das Werkzeug, das eine Abteilung selbst eingeführt hat. Für 2027 werden sie sich rechtfertigen müssen wie jede andere Ausgabe.

KI "kostet anders" als Software

Klassische Software kostet pro Arbeitsplatz und Jahr. Bei KI kommt ein Verbrauchsanteil hinzu. Abgerechnet wird nach Tokens, also nach der Textmenge, die ein Modell liest und erzeugt. Ein Chat-Abo pro Mitarbeiter lässt sich planen wie Office. Ein Agent, der Belege verarbeitet, oder eine Anwendung, die per Schnittstelle an ein Sprachmodell angebunden ist, kostet umso mehr, je mehr sie genutzt wird.

In der McKinsey-Befragung von Mitte 2026 sagen 20% der Teilnehmer, ihr Unternehmen habe die KI-Nutzung wegen der laufenden Betriebskosten eingeschränkt. Der Anteil ist über Unternehmensgrößen und viele Branchen hinweg ähnlich. Michael Chui von McKinsey beschreibt den Mechanismus: Der Preis je Token ist gesunken, die Zahl der verbrauchten Tokens ist aber schneller gestiegen. Besonders bei Agenten und bei anspruchsvollen Aufgaben, für die die leistungsstärksten Modelle nötig sind.

Ein Teil der KI-Kosten wächst mit der Nutzung, unabhängig davon, ob der Nutzen mitwächst.

Drei Arten von KI-Ausgaben

Für die Budgetplanung hilft es, KI-Ausgaben nach ihrer Kostenlogik zu trennen. Jede Art braucht eine andere Frage.

  • Grundausstattung: Chat-Lizenzen für das Team. Die Kosten sind planbar und hängen an der Zahl der Nutzer. Unternehmen führen solche Werkzeuge zunehmend als normale Betriebskosten. Ein Ertrag lässt sich hier kaum einzeln nachweisen. Die sinnvolle Frage lautet, wer sie tatsächlich nutzt und wofür.
  • Verbrauch: Anwendungen, die nach Nutzung abrechnen. Hier braucht es eine Obergrenze und eine Kennzahl, an der sich der Ertrag zeigt, etwa bearbeitete Vorgänge oder eingesparte Stunden.
  • Vorhaben: Piloten und Projekte. Sie brauchen ein vorher festgelegtes Ergebnis und einen Termin, an dem entschieden wird, ob sie ausgebaut oder beendet werden.

Häufig ist schon unklar, wo die KI-Kosten überhaupt anfallen. Lizenzen laufen über die IT, ein Werkzeug in der Fachabteilung über die Firmenkreditkarte, Schnittstellenkosten stecken in der Cloud-Rechnung, der Pilot im Projektbudget. Wer alle KI-Ausgaben eines Jahres zusammenzählen will, muss sie erst an mehreren Stellen einsammeln.

Kürzen ohne Maßstab trifft das Falsche

Bei knappem Budget liegen zwei Reaktionen nahe: alles kürzen, was nach KI aussieht, oder alles weiterlaufen lassen, weil niemand sicher sagen kann, was es bringt.

Aber die Entscheidungsgrundlage fehlt in den meisten Unternehmen. Bei McKinsey berichten nur 37% der Befragten überhaupt einen Beitrag von KI zum Betriebsergebnis, ein Jahr zuvor war es derselbe Anteil. Die Unternehmen, die am schnellsten vorankommen, behandeln die Betriebskosten laut McKinsey von Anfang an als Vorgabe für die Gestaltung ihrer Anwendungen und messen die Wirkung ihrer KI-Vorhaben mit festgelegten Verfahren.

Weltweit erwarten dort 60% der Befragten, dass ihr Unternehmen im kommenden Jahr mehr in KI investiert. 28% geben schon heute mehr als 10% ihres gesamten IT-Budgets für KI aus.

Ja, die McKinsey-Befragung bildet überwiegend größere Unternehmen ab und ist damit kein Spiegel des deutschen Mittelstands. Sie zeigt aber, mit welchem Tempo andere ihre KI-Budgets ausbauen, während hierzulande die Investitionen insgesamt sinken.

Wenn Sie in dieser Lage kürzen, sollte die Entscheidung auf einer Kennzahl beruhen. Wenn Sie ausbauen, ebenso.

Drei Fragen für Ihre Budgetrunde

  1. Was hat Ihr Betrieb 2026 insgesamt für KI ausgegeben, über alle Abteilungen und Rechnungen hinweg?
  2. Für welche dieser Ausgaben gibt es ein festgelegtes Ergebnis, an dem Sie sie 2027 messen?
  3. Welche Kosten steigen automatisch mit der Nutzung, und wer in Ihrem Betrieb bemerkt das zuerst?

Thomas Schröpfer ist unabhängiger KI-Berater für den Mittelstand am Hochrhein. Er hilft Unternehmen, KI so einzuführen, dass sie ankommt und wirkt.

Datenquellen: DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026, veröffentlicht am 26. Mai 2026, mehr als 23.000 befragte Unternehmen. Creditreform, „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2026“, veröffentlicht am 8. Oktober 2026, rund 1.200 befragte mittelständische Unternehmen. McKinsey & Company, „The state of AI in 2026: On the road to ROI“, August 2026, 1.719 Befragte aus 97 Ländern, erhoben vom 4. Mai bis 8. Juni 2026.