Die Technik ist bereit. Der Rest entscheidet.
Viele Mittelständler, die bei der KI-Nutzung noch am Anfang stehen, behandeln KI als technisches Projekt. Etwas für Leute, die programmieren können, für ihre IT-Abteilungen.
Eine aktuelle Befragung von 500 Führungskräften (Februar 2026) zeichnet ein anderes Bild. Bei den meistgenannten Hürden bei KI taucht Technologie kaum auf, statt dessen:
- Sicherheitsrisiken: 42%
- Datenschutz- und Compliance-Richtlinien: 39%
- fehlende Qualifikation der Mitarbeitenden: 34%
- Mangel an Datenqualität: 29%
- fehlende Akzeptanz im Team: 26%
- Integration in bestehende IT-Systeme: 24%
Die Integration in die IT, also der klassisch technische Punkt, landet erst auf Platz sieben. Die geringe Qualität der KI-Antworten, das viel diskutierte Thema Halluzinationen, folgt mit 22% erst auf Platz acht. Und die Kosten schaffen es nicht einmal in die Top 10. Die Engpässe liegen also bei Strukturen, Regeln und Kompetenz, nicht bei der Technik.
Technologie ist selten das Problem
Für Betriebe, die noch keine oder nur einfache KI nutzen, ist das eine wichtige Einordnung. Die Hürde, die viele vom Start abhält, ist nur eine gefühlte technische Hürde. Die Daten zeigen, dass die eigentliche Arbeit organisatorisch ist.
Das gilt auch für den, der heute sagt: „Wir haben einen Chatbot, mehr nicht." Der nächste sinnvolle Schritt hängt dann selten an besserer Technologie. Er hängt an Fragen wie: Welche Daten haben wir überhaupt in guter Qualität, Quantität und einfach ordentlicher Form? Wer darf KI wofür nutzen? Verstehen die Mitarbeitenden, was das Werkzeug kann und wo seine Grenzen liegen? Akzeptieren sie KI überhaupt? Das sind keine IT-Fragen. Das sind Führungsfragen.
Die Hürden verschieben sich
Interessant ist die Bewegung über die Zeit. Die technischen und finanziellen Hürden schrumpfen. Die Kosten sind als genannte Hürde um 13 Prozentpunkte gefallen, die IT-Integration um 10. Was vor einem Jahr noch Budgetdiskussionen erforderte, wird zum Standardprozess.
Gleichzeitig wachsen die weichen Faktoren. Fehlende Akzeptanz und mangelnde Transparenz legen jeweils um 5 Prozentpunkte zu. Je tiefer KI in den Arbeitsalltag einzieht, desto drängender wird die Frage, ob die Menschen im Betrieb dem System vertrauen.
Der Trend zeigt in eine klare Richtung: Die Technik wird einfacher, die Organisation wird zur eigentlichen Aufgabe.
Die gute Nachricht für die Orientierungsphase
Im Gegensatz zu komplexen Technologien liegen organisatorische Voraussetzungen in Ihrem eigenen Einflussbereich. Saubere Daten, eine einfache interne KI-Richtlinie, ein Grundverständnis im Team und eine klare Verantwortung lassen sich schaffen, ohne ein einziges neues System zu kaufen.
Wer hier ansetzt, baut ein Fundament, auf dem auch spätere und größere KI-Vorhaben tragen. Die Technologie kommt danach, und ihre Bewertung und Anwendung wird klarer und leichter. Genau deshalb ist der Einstieg bei KI keine Frage der Rechenleistung, sondern der Vorbereitung.
Worauf es jetzt ankommt
Der erste Schritt in Richtung KI beginnt mit einer internen Bestandsaufnahme: Welche dieser Voraussetzungen (Daten, Regeln, Kompetenz, Akzeptanz) fehlt im eigenen Betrieb am meisten? Diese eine Antwort entscheidet, wo ein Einstieg sinnvoll beginnt, und sie sieht in jedem Unternehmen anders aus.
Über den Autor: Thomas Schröpfer arbeitet hauptberuflich als Go-to-Market Product Manager bei einem Schweizer Anbieter von KI-Infrastruktur. Nebenberuflich berät er Mittelständler am Hochrhein zu strategischen KI-Fragen.
Quelle:
- adesso SE, GenAI Impact Report Germany 2026 (Befragung durch HEUTE UND MORGEN, Februar 2026: 500 Führungskräfte in Deutschland)