Ihre Mitarbeiter nutzen KI, der Effekt bleibt aus.

Die Lizenzen sind aktiv, die KI-Tools werden genutzt, die Ergebnisse bleiben aus. Dieses Muster ist häufiger, als man denkt und das liegt nicht an der eingeführten Technologie.

Hohe Nutzung ist kein Erfolg

Eine große Untersuchung (Harvard Business Review, über 3.000 Befragte in den USA und Europa, 2025) bringt ein spannendes Ergebnis: Mitarbeiter mit starker Angst vor KI nutzen sie mehr, nicht weniger. Sie setzen KI für einen größeren Teil ihrer Aufgaben ein als ihre gelassenen Kollegen. Innerlich wehren sie sich aber rund doppelt so stark dagegen. Paradox.

Ihr Antrieb ist Selbstschutz statt Überzeugung. Wer fürchtet, ersetzt zu werden, nutzt KI, um nicht zurückzufallen. Das erklärt zumindest zum Teil, warum fast 9 von 10 Betrieben regelmäßige Nutzung melden, die Erträge aber stagnieren (so sie denn überhaupt gemessen werden).

Nutzung sagt wenig über Wirkung. Sie kann sogar ein Warnsignal sein.

Die eigentliche Bremse ist Angst

Rund 8 von 10 Beschäftigten haben eine mindestens ausgeprägte Angst vor KI. Zwei von drei fürchten, von jemandem ersetzt zu werden, der KI besser beherrscht. Es geht um Jobsicherheit und um die eigene fachliche Bedeutung.

Wie stark das ausfällt, hängt vom Betrieb ab. In der Fertigung ist es oft eher Gleichgültigkeit als Widerstand. In Kanzleien, Steuerberatung und Beratung, wo Fachwissen die berufliche Identität ist, wird KI schnell als Angriff auf die eigene Rolle erlebt.

Was Sie tun können

  • Trauen Sie den Nutzungszahlen nicht. Fragen Sie nach echtem Nutzen und nach der Stimmung im Team, nicht nach aktivierten Lizenzen.
  • Sprechen Sie die Angst offen an. Sagen Sie ehrlich, was KI für die Arbeitsplätze bedeutet und was nicht.
  • Erzwingen Sie nichts. Wer Nutzung an Druck oder Beförderung koppelt, erzeugt Gehorsam aber keinen echten Nutzen. Genau dieses Verhalten untergräbt den langfristigen Wert.

Holen Sie Mitarbeiter unterschiedlich ab

Grob gibt es vier Gruppen, jede braucht etwas anderes:

  • Die Überzeugten glauben an den Nutzen und fühlen sich sicher. Setzen Sie sie als Vorbilder und Mentoren ein.
  • Die Zwiegespaltenen sehen den Nutzen, fürchten aber um ihre Rolle. Sie brauchen ehrliche Weiterbildung und sichere Lernräume.
  • Die Verunsicherten glauben wenig und fürchten viel. Hier hilft zuerst Empathie, dann kleine, risikoarme Erfolge.
  • Die Gleichgültigen glauben wenig und fürchten wenig. Sie wecken Sie mit konkreten Beispielen, was der Wettbewerb schon tut.

Wie berechtigt ist die KI-Angst eigentlich wirklich?

Die Angst ist verständlich, die Schlagzeilen tun ihr Übriges. Doch die großen KI-Entlassungswellen halten der Prüfung kaum stand. Eine Auswertung von rund 1,4 Millionen Stellenstreichungen im Jahr 2025 fand weniger als 1%, die tatsächlich auf KI zurückgingen. Oft dient KI als bequeme Begründung für einen ohnehin geplanten Stellenabbau. Studien von der Internationalen Arbeitsorganisation bis zum MIT zeigen dasselbe Bild: KI übernimmt einzelne Aufgaben, selten ganze Rollen. Sie ergänzt öfter, als sie ersetzt.

Im Mittelstand ist die Lage sogar umgekehrt. Rund 393.000 Stellen sind unbesetzt, gut 7 von 10 davon im Mittelstand, und eine Fachkraftstelle bleibt im Schnitt fast ein halbes Jahr offen. Die Babyboomer gehen in Rente, es kommen zu wenige nach. Das Problem ist nicht zu viel Personal, sondern zu wenig.

Es geht nicht darum, Menschen überflüssig zu machen, sondern mit den vorhandenen Menschen mehr zu schaffen und die Qualität zu steigern. KI kann die chronische Überlastung senken und Zeit für die Dinge frei machen, die im Alltag ständig liegen bleiben. Wer das glaubhaft vermittelt, nimmt der Angst einen großen Teil ihrer Grundlage.

Hier entscheidet sich der Nutzen

Solange KI aus Angst genutzt wird, sieht die Einführung erfolgreich aus und liefert trotzdem nichts. Erst wenn Menschen KI aus Überzeugung nutzen, entsteht der Nutzen, den die Geschäftsführung erwartet. Der Hebel liegt nicht in mehr Lizenzen oder mehr Schulung, sondern in Sicherheit und Vertrauen.

Wie das in Ihrem Betrieb konkret aussieht, hängt von Ihren Mitarbeitern und Ihrer Branche ab.


Quelle: Harvard Business Review, Untersuchung von Fractional Insights und Ferrazzi Greenlight, Befragung von über 3.000 Beschäftigten in den USA und Europa, 2025.

Thomas Schröpfer ist unabhängiger KI-Berater für den Mittelstand am Hochrhein. Er hilft Unternehmen, KI so einzuführen, dass sie ankommt und wirkt.