Wie aus KI-Schulung echte Kompetenz wird.
Viele Unternehmen haben bereits ein KI-Training gemacht. Gemeint ist meist ein 60-minütiges E-Learning: zu Prompting und Chatbot-Bedienung, mit Glück auch etwas Recht, Datenschutz und interne Regeln. Haken dran. Tools freigeschaltet.
Die Ausgangslage ist dünn. Rund 80% der Erwerbstätigen in Deutschland haben von ihrem Arbeitgeber bisher keine KI-Schulung erhalten (bidt-Themenmonitor 2026). Wo geschult wird, läuft es oft genau so wie beschrieben.
Trainings zeigen Aktivität, nicht Wirkung
Dieses Trainings-Format ist verführerisch. Schnell ausgerollt, erreicht alle, lässt sich sauber dokumentieren und gibt HR, IT, Rechtsabteilung und Geschäftsführung das Gefühl, die Organisation sei geschult und jetzt ja bereit für KI. Gerade im Mittelstand ist das nachvollziehbar.
Die Trainingsquote sagt allerdings sehr wenig über die Wirkung. Die bisher gründlichste Untersuchung dazu stammt aus Dänemark (Anders Humlum und Emilie Vestergaard). Befragungen von 25.000 Beschäftigten in 7.000 Betrieben, abgeglichen mit amtlichen Lohndaten, zeigen: Die durchschnittliche Zeitersparnis durch KI-Chatbots lag bei rund 3%, auf Verdienst und Arbeitszeit hatte das jedoch keinen messbaren Effekt.
Viel Aktivität, wenig Wirkung. Das deutet auf eine flache Nutzung hin: KI als schneller Helfer für einzelne Handgriffe, nicht als Teil der Arbeitsweise.
KI-Kompetenz hat Stufen
Nach einem solchen Training wissen Menschen vielleicht, dass KI halluzinieren kann und welche Daten nicht in offene Tools gehören. Echte KI-Kompetenz heißt aber, KI wirksam in der realen Arbeit einzusetzen, nicht nur bei Übungen. Dieser Einsatz verbessert erkennbar Effizienz, Qualität oder Entscheidungen. Die Ergebnisse werden fachlich geprüft, bevor sie weitergehen. Und erfolgreiche Anwendungen werden zu wiederholbaren Arbeitsweisen.
Diese Kompetenz baut sich in Stufen auf: von Verstehen über Nutzen und Umsetzen bis zu Transformieren, wenn Prozesse und Datenstrukturen aus KI-Perspektive neu gedacht werden.
Ein Training fürs Protokoll bringt bestenfalls die erste Stufe. Der eigentliche Nutzen liegt in den Stufen darüber, und genau dort steht heute kaum jemand. Die flache Nutzung hinter den großen Aktivitätszahlen zeigt eine Organisation, die auf Stufe eins hängen bleibt.
Was das für die Kompetenzpflicht bedeutet
Für die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 EU AI Act reicht ein dokumentiertes Grundlagentraining formal oft aus. Die Pflicht verlangt ein „angemessenes" Maß an Kompetenz, und das ist auslegungsfähig.
Schulung zahlt sich erst aus, wenn sie Wirkung erzeugt. Und die Akzeptanz der Belegschaft steigt genau dann, wenn Menschen KI in ihrer eigenen Arbeit sinnvoll einsetzen können.
Worauf es jetzt ankommt
Erzeugt Ihr Training Aktivität oder Wirkung? Und auf welcher Stufe steht Ihre Organisation heute, jenseits der reinen Trainingsquote?
Die Trainingsquote steht in jedem Report. Ob daraus wirksame Arbeit wird, steht dort nicht, und der nächste sinnvolle Schritt sieht in jedem Betrieb anders aus.
Über den Autor: Thomas Schröpfer arbeitet hauptberuflich als Go-to-Market Product Manager bei einem Schweizer Anbieter von KI-Infrastruktur. Nebenberuflich berät er Mittelständler am Hochrhein zu strategischen KI-Fragen, mit Schwerpunkt auf Use-Case-Bewertung und Mitarbeiter-Mitnahme.
Quellen: